Der Abteilungsleiter (Teil 1)

Dieser Mann hat mir am 6.12. den Happy Nikolausi geschickt und von Magenta inspiriert wollte ich ihm ja den Arbeitstitel „Fellnäschen“ geben, habe mich aber entschieden, es lieber neutral zu halten. Der Abteilungsleiter ist so alt wie ich, sieht sehr sportlich und attraktiv aus auf seinem Profil und macht insgesamt einen vernünftigen Eindruck. Er schreibt auch nett und wir vereinbaren ein Date für den Tag danach. Bereits im Chat versucht er zu flirten, ich bin nicht sicher, wie ich das finden soll, will aber nicht schon wieder so pissig wirken wie z.B. im Chat mit ihm, also versuche ich es mal mit sowas wie Humor.

 


Dieser Kommentar zu meiner Größe. Hm. Mit meinen 1,74 finde ich mich zwar nicht gerade klein und zierlich bin ich auch nicht, aber er ist 1,92 groß und vielleicht gelte ich aus seiner Sicht als klein. Komischer Kommentar, aber ich ermahne mich einmal mehr nicht immer alles auf die Goldwaage zu legen.
Wir treffen uns an einem Kiosk und wollen erstmal eine Runde spazieren. Es ist schon relativ kalt und ich habe meine Handschuhe vergessen. Ich erkenne ihn schon, als er über die Straße läuft. Sieht aus wie auf den Bildern, die Klamotten sind cool, er hat ein ganz süßes Lächeln. Zur Begrüßung umarmt er mich gleich, das kann ich überhaupt nicht leiden. Ich umarme doch keine fremden Leute, die ich zum ersten Mal sehe und von denen ich fast gar nichts weiß. Ich reagiere sehr distanziert, was er auch merkt. (Später als wir im Café sitzen, spricht er es an und entschuldigt sich dafür.) Nach dieser gezwungenen Umarmung frage ich „wollen wir erstmal eine Runde drehen“ und er so „Ja, das ist ganz gut um so ein bisschen lockerer zu werden …“ Äh wie? Ich verkneife mir die Frage, ob er sich denn unlocker fühlt. Er erzählt mir, dass es sein erstes Tinder Date ist, davor war er bei Elite Partner. Im Sommer hatte er eine kurze Beziehung mit einer Frau, die er darüber kennengelernt hat, aber es hat sich herausgestellt, dass es trotz steilem Start doch nicht geklappt hat.

Beim Spaziergang und später im Café erzählt er mir ohne Punkt und Komma gleich sehr viel über sich. (Ich habe das hier zunächst sehr ausführlich aufgeschrieben, im Nachhinein denke ich aber, dass das viel zu viele intime Details waren, um sie über eine fremde Person Preis zu geben, daher nur eine Kurzversion in Form einer groben Zusammenfassung). Er erzählt woher er kommt, was er studiert hat, seinen Job und frühere Jobs, wie er seine Rolle als Chef sieht, seine Ex-Ehe und Ex-Beziehung, was die Probleme waren und warum es nicht geklappt hat, seine Besitztümer, sein schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter, dass er Kinder mag und sich vorstellen kann welche zu bekommen. Puhhhhhhh.

Ich bin ein wenig peinlich berührt, das ist mir too much information beim ersten Date und erinnert mich an den Wiener. Nichts davon habe ich erfragt, das schwappte alles ziemlich ohne Punkt und Komma aus ihm raus. Insbesondere will ich beim ersten Date nichts von früheren Beziehungen wissen, warum diese gescheitert sind usw. und auch keine kritischen Familiengeschichten. Es geht doch darum dass wir beide uns erstmal unverbindlich kennenlernen, da interessiere ich mich nicht als erstes für Ex-Partner.

Er fragte kaum nach mir, will nicht viel wissen, wartet eher, bis ich etwas von mir aus erzähle, was ich ein wenig auch tue, aber mehr weil ich mich unter Zugzwang sehe, nun auch was sagen zu müssen. Er geht oft auf eine komische Metaebene und bewertet auch manche meiner Aussagen gleich im Hinblick auf unsere Kompatibilität. Als ich zum Beispiel sage, dass ich gerne arbeite, aber kein Karrieretyp bin und mir viel freie Zeit sehr wichtig ist, sagt er „ah ok, das ist gut!“ und ich weiß sofort, das meint er im Hinblick auf eine Beziehung. Ich habe den Eindruck, als wolle er mich unbedingt von sich überzeugen, denn als ich manche Dinge eher skeptisch kommentiere, sagt er Sachen wie „ich glaube Du kennst meinen Humor einfach noch nicht gut genug“. Ich merke, dass er alle meine Aussagen innerlich darauf abprüft, ob ich ihm jetzt gefalle oder nicht. Er scheint im Stress zu sein. Ich ziehe ihn ein bisschen damit auf, das er so Vorstellungsgespräch-mäßig alle Fakten runterrattert über sein Leben und versuche ihm zu erklären, dass es mir bei den ersten Dates nicht wichtig ist, alle Fakten zu erfahren sondern eher zu sehen, wie die Person tickt, ob man sich gut unterhalten kann und ob die Chemie stimmt. Er wirkt manchmal ein bisschen unsicher und einmal merke ich auch, dass er ein bisschen zittert. Als er mir erzählt, dass er früher sehr viel gearbeitet hat, aber jetzt sei es weniger, sodass er genug Zeit hat um eine Frau zu suchen und eine Beziehung aufzubauen, muss ich lachen und gestehe, dass das für mich schon ein bisschen verkopft klingt und auch ein wenig verzweifelt. Im Café noch tütet er gleich das zweite Treffen ein und ringt mir ab, dass wir uns in der Folgewoche nochmal treffen. Wir zahlen getrennt.

Nach dem Date denke ich über ihn nach. Ich finde ihn sympathisch und attraktiv, kann mir vorstellen ihn zu küssen und rede mir ein, dass er eine Chance verdient hat, denn nur weil er für mich gesehen „falsch“ an die Sache rangeht, sagt nichts darüber aus, ob es passen könnte oder nicht, für eine gute Zeit zusammen oder mehr. Ich will nicht immer alle so schnell aussortieren, ich leide mittlerweile darunter, dass es mir keiner recht machen kann und dass ich nicht mal mehr in der Lage war, eine Affaire einzugehen im letzten Jahr.

Nach dem Date geht er gleich in die Vollen, was meinem Ego durchaus schmeichelt, aber auch ein bisschen schleimig ist oder bin ich einfach nur schon zu abgebrüht und er ist eigentlich süß und ich erkenne das nicht?

 

Immerhin ist er verbindlich, macht er eine klare Ansage und eiert nicht rum. Auch wenn das mit dem „ganz ohne Druck“ schon wieder so äääähhhhh klingt für mich. Wir treffen uns ein paar Tage später erneut.

Für das zweite Date hat er ein Lokal ausgesucht, das ich bis dahin nicht kannte, es war furchtbar laut. Ich hatte nicht viel Lust, groß was zu erzählen, auch weil ich nicht gegen den Lärmpegel anschreien wollte und ließ ihn ein bisschen Alleinunterhalter spielen, indem ich ihn immer wieder was fragte, er aber bereitwillig auch viel und ausführlich erzählte. Er war deutlich lockerer als beim ersten Mal und sogar witzig. Als einmal eine Gesprächspause entsteht fragt er „Gibt es noch etwas das Du wissen möchtest oder etwas, das Du erzählen willst“. Oh no, Mann. Wenn ich was wissen will, frag ich schon. Wenn ich was erzählen will, dann tue ich das. Der tut echt so, als würde er einen neuen Mitarbeiter einstellen oder sich für einen Job bewerben. Dann fragen wir nach der Rechnung. Bevor die Bedienung kommt schiebt er mir abgezähltes Geld rüber „Wenn Du möchtest, kannst Du gerne für uns beide zahlen, falls das komisch für Dich ist wenn wir getrennt zahlen.“ Ich nehme das Geld und zahle für uns beide. Im Nachhinein bereue ich, dass ich ihm sein fucking Geld nicht zurückgeschoben habe und gesagt habe „Komm lass stecken, ich lad Dich ein.“

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Der Kiffer (Teil 3)

Wie in Teil 1 bereits beschrieben, gestaltete sich die Kommunikation mit dem Kiffer auch nach unserem Revival durch Joyclub wieder als schwierig. Ich fragte ein paar Mal mit konkreter Zeitangabe, ob er Lust auf ein Treffen hätte und er antwortete ausweichend oder erst relativ spät. Ich versuchte ihn daraufhin schon wieder zu „erziehen“, indem ich eine Ansage machte, dass er bitte früher Bescheid geben kann und nicht erst nachdem der Zeitpunkt, den ich vorgeschlagen hatte, schon verstrichen war. Daraufhin antwortete er gar nicht, ich ging wieder auf ihn zu, dann war er bockig, ich „massierte“ ihn verbal ein bisschen, mittlerweile war ich relativ schmerzfrei was das angeht, ich empfand es aber als echt anstrengend.

Dann ca. 6 Wochen nach dem letzten Treffen, verabredeten wir uns erneut. Er war wieder halbwegs freundlich und sagte er freue sich usw. Zwei Stunden vorher sagte er ab, da er anscheinend einen Fahrradunfall gehabt hatte (nix Schlimmeres passiert, aber ein Band am Knöchel war wohl gerissen). Wieder endloses Rumgeeiere und Hin und Her. Nachdem ich ihm mal wieder eine SMS geschrieben hatte, antwortete er wider Erwarten sofort und es entstand irgendwie eine seltsame Diskussion über Humanismus und Aufklärung bis ich einfach fragte „heute Vögeln?“ und erfreulicherweise stimmte er zu. Das war vormittags, ich hatte meinen freien Tag unter der Woche, saß gerade beim Friseur und er hatte nur zwei Stunden Zeit mittags, da er danach arbeiten musste. Ich wusste nicht, wann genau ich bei ihm sein konnte. Er antwortete dann nicht mehr auf meine Nachrichten und so entschied ich, einfach zu ihm zu fahren und plötzlich konnte er aber wieder antworten. Ich fühlte mich ziemlich gestresst, da ich befürchtete, dass er schon wieder absagen könnte und wer wusste schon, ob und wann sich wieder eine andere Gelegenheit für einen qualitativ guten Fick ergab. Ich sprang auf und verließ mit nassen Haaren den Salon und hatte nicht mehr viel Zeit, mich fertig zu machen. Vor lauter Hektik fand ich dann daheim partout meine Autoschlüssel nicht. Beim Friseur war ich zu Fuß gewesen, also konnte ich nicht mehr rekonstruieren, was ich am Abend zuvor mit den Schlüsseln gemacht hatte. Ich wollte keinesfalls das Vögeln verpassen, also wollte ich kurzerhand ein Taxi bestellen, hing aber ewig in der Warteschleife fest. Ich marschierte also los zur Bahn und da hing ein Schild „wegen Umbau fährt gerade keine Bahn bla bla und es gibt Schienenersatzverkehr zwei Straßen weiter“. Zum Kotzen. Nochmal Taxizentrale und diesmal klappte es. Meine Güte, was für ein Stress für ein bisschen Sex! Ich wusste selbst nicht, ob ich über mich lachen oder mich armselig finden sollte. Wie tief bin ich eigentlich gerutscht, dass ich einem Drogensüchtigen, der nicht in der Lage ist, sich normal zu verabreden, derart hinterherhechele für eine schnelle Nummer mittags zwischendurch?

Relativ spät kam ich dann abgehetzt bei ihm an, wir unterhielten uns trotz Zeitknappheit erstmal ausführlich, bevor es zur Sache ging. Es machte dann wie immer Spaß, aber ich merkte dass ich mich nicht richtig entspannen konnte. Egal, immerhin gut gevögelt. Als wir dann fertig waren der Schockmoment: ein Loch im Kondom. Ich war perplex. Sowas war mir noch nie passiert. Ich weiß jetzt nach so langer Zeit nicht mehr genau, was wir dann geredet haben, ich weiß nur, dass ich ziemlich geschockt war und er mich dezent aber bestimmt verabschieden wollte, da er bald gehen musste. Das wusste ich ja auch vorher schon, dass er nicht viel Zeit hatte, das war also schon okay. Ich erinnere mich noch, dass er mir versichert hatte, dass er immer konsequent Kondome benutzt und ich mir wegen möglicher Krankheiten daher nicht allzu viel Sorgen machen muss. Wegen der Pille danach weiß ich nicht mehr, ob überhaupt und falls ja, was genau wir dazu gesprochen hatten, das ging alles sehr schnell. 

Ich lief dann zur Bahnhaltestelle und versuchte mich zu sortieren, ich stand wirklich unter Schock, denn mit sowas hatte ich nicht gerechnet, da ich davor auch nie Kondomunfälle erlebt hatte. Mir ging alles Mögliche durch den Kopf, aber insbesondere auch, dass ich von diesem Mann nicht riskieren wollte, schwanger zu werden. Also ging ich in eine Apotheke und ließ mich beraten zur Pille danach. Was ich nicht wusste, diese wirkt nur in einem bestimmten Stadium des Zyklus, da die Pille nur den Eisprung verschiebt. Ein Restrisiko wäre also nach wie vor da. Trotzdem kaufte ich diese Pille und nahm sie sofort, denn immerhin konnte ich so irgendetwas tun und das war besser als nichts tun.

Danach hatte ich Hunger, denn ich hatte in dem ganzen Stress noch nichts gegessen den ganzen Tag und setzte mich in einen asiatischen Imbiss. Ich fühlte mich so richtig scheisse und lächerlich. Weil ich so bedürftig und so ausgehungert nach Berührung und nach Sex war, dass ich es nötig hatte, einem zwielichtigen Typen hinterherzuhecheln, der keine Bedeutung für mich hatte und ich noch viel weniger für ihn. Weil mir das alles gar nichts gebracht hatte, denn das gute und entspannte Gefühl, welches man nach dem Sex hat, war schlagartig vorbei gewesen. Weil ich fünf Minuten nachdem unsere Nummer beendet gewesen war, zur Tür hinausgeschoben wurde und nun alleine in einem schäbigen Imbiss herumsaß, anstatt wenigstens freundschaftlich von ihm in den Arm genommen zu werden. Weil mir klar war, dass er sich wieder nicht melden würde, geschweige denn irgendeine Art von Verantwortung übernehmen würde für die Situation. Ich musste an eine Freundin denken, der ähnliches passiert ist mit einem One Night Stand. Der Typ hat sich bei ihr bedankt, dass sie die Pille danach genommen hatte und wollte die Kosten übernehmen (immerhin kostete das Ding ca. 30 Euro). Danach hat er sich mehrmals erkundigt, wie es ihr geht und wie sie die Pille vertragen hat und eine Woche später hat er sie auf freundschaftlicher Basis zum Essen eingeladen. Ein Mann mit Stil. Mir war sonnenklar, dass ich vom Kiffer nichts von alledem erwarten konnte. Eigentlich habe ich ein gutes bis sehr gutes Verhältnis zu mir selbst, ich mag mich wirklich gerne, aber ich glaube in dem Moment hasste ich mich und die Gefühle, die da hoch kamen. Dann dachte ich mir „ruhig bleiben, es ist alles im grünen Bereich. Dass er ein Vollidiot ist und außer für Sex zu nichts zu gebrauchen, wusstest Du doch“.

Eine Woche später schrieb der Kiffer „Hi Losti, alles klar, wie läuft’s“. Das war typisch, er schrieb immer nur „was geht?“, „was machst?“ oder „was macht die Kunst“. Nie wird er konkreter und noch nie hat er von sich aus nach einem Treffen gefragt. Meine Freundinnen schlugen vor, dass ich ihm einen Schreck einjagen könnte, indem ich ihm schrieb, dass meine Tage überfällig waren oder in ein paar Wochen gleich eine Schwangerschaft vortäuschen, doch auf solche Spielchen hatte ich keine Lust. Ich wollte ihn erst ignorieren, aber es gelang mir nicht und ich hatte das Gefühl, er „schuldet“ mir noch was, da ich von unserem letzten Mal nichts gehabt hatte, außer Stress davor und danach. Also blieb ich dran. Zwei Wochen später dann wieder eine Fickverabredung. Diesmal redeten wir nicht viel und ich hatte nur eine Stunde Zeit. Es war mittags und ich hatte einen halbwegs offiziellen Termin in der Stadt, daher war ich in seiner Gegend und hatte ihn spontan angeschrieben. Für den Termin war ich ziemlich aufgetakelt gewesen, was ich sonst selten bin und er machte große Augen als er mich sah. Ich hatte keine Lust schon wieder auf ein Vorgeplänkel über Literatur oder Politik und diesmal knutschte ich ihn direkt nieder. Nach einer ziemlich guten Nummer stand ich auf, zog mich an und ging einfach, ohne viel mit ihm zu reden. In den Wochen und Monaten danach schrieben wir uns immer wieder, er kontaktierte mich auch einige Male, immer in dem Stil „Hey was geht?“ ohne konkreter zu werden und sobald ich ihn auf ein Treffen festnageln wollte, antwortete er nicht mehr oder hatte dann doch keine Zeit. Auf meine letzte Nachricht bekam ich keine Antwort mehr. Vielleicht sollte ich ihm mal wieder schreiben. Immerhin war er unter etwa 50 Tinder und sonstigen Dates sowie den wenigen Sexgeschichten bisher der einzige, mit dem ich mehr als einmal geschlafen hatte und es ist mir ein völliges Rätsel warum ausgerechnet er.

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Happy Nikolausi

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Der Kiffer (Teil 2)

Ich hatte den Kiffer bei Tinder kennengelernt und drei Mal guten Sex mit ihm gehabt, bevor er sozusagen verschwand. Nach meiner Anmeldung bei Joyclub screente ich die Profile der Männer in meiner Umgebung und siehe da, wen fand ich? Den Kiffer. Es war zu dem Zeitpunkt ca. 5 Monate her seitdem wir das letzte Mal Kontakt hatten. Er hatte sich bei Joyclub einen ziemlich lächerlichen Nickname gegeben, der darauf hinwies, dass er gerne leckte. Während er bei Tinder damals nur ein einziges ziemlich spießiges Foto eingestellt hatte, waren es hier 4-5 Freizeitfotos, die auch sein Gesicht zeigten, und einmal sein nackter Oberkörper mit angespannten Muskeln. Er sah ja schon gut aus. Dann schaute ich mir ausführlich seine Profiltexte an. Der Eingangstext war ganz nett geschrieben. Dann die Vorlieben. Bei Joyclub kann man in einem Fragebogen angeben worauf man bei Männern/Frauen und beim Sex steht, dabei gibt es wenn ich mich recht erinnere die Kategorien „unbedingt“, „steh ich drauf“, „situationsabhängig“, „steh ich nicht so drauf“, „geht gar nicht“. Ich fand das sehr interessant zu lesen bei einer Person mit der man schon mal Sex hatte und war einigermaßen erleichtert als ich sah, dass der Kiffer keine außergewöhnlichen Vorlieben wie „Fußerotik“, „Natursekt“ oder dergleichen angegeben hatte. Bei „unbedingt“ stand nur Oralsex, sonst nichts, das war wenig überraschend. Es erstaunte mich aber, dass er angab, auf mollige Frauen zu stehen. Ich dachte immer, dadurch dass er früher selbst Profisportler war und als Fitnesstrainer arbeitete, stünde er bestimmt auf Zero Fat Bodies und Sixpacks bei Frauen. Analsex war hingegen nicht so sein Ding, das war wohl bei der Schwanzgröße auch nicht so bedauerlich für die meisten Frauen, schätze ich. Er hatte einen grünen Haken als „geprüftes Mitglied“, das heißt mindestens 5 andere Mitglieder hatten bestätigt, dass es ihn wirklich gibt, also schien er schon entsprechende Erfahrungen zu haben bei Joyclub. Auch hatte er einige Damen in seiner „Freundesliste“, dich ich mir natürlich anschaute. Nichts Tolles dabei, eher billige Auftritte oder Damen Ü50. Ich amüsierte mich sehr und fand das hochinteressant.

Er muss gesehen haben, dass ich mehrmals auf seinem Profil war, denn ein paar Tage später schrieb er mich an. Wohlgemerkt, ich hatte ein anonymes Profil, hab mich sogar ein bisschen älter gemacht und die Nachbarstadt als Wohnort angegeben.

„Hallo Losti, sehr interessantes Profil blahblah … ich würde gerne mehr über Dich erfahren.“
„Hallo Kiffer, Danke für Deine Nachricht, aber wir kennen uns schon.“
„Tun wir das? Welch Fauxpas meinerseits …“
„Der Fauxpas war eher, dass Du Dich danach nie wieder gemeldet hast. Und das obwohl wir durchaus Spaß miteinander hatten, also fand ich zumindest“
„Ohne Foto oder Namen stehe ich echt dumm da“

Daraufhin habe ich nichts mehr geantwortet. Schließlich bildete ich mir damals ja noch ein, dass ich mich bald vor tollen Liebhabern kaum retten werde können durch Joyclub. Dann einen Tag später schrieb er erneut.

„Schade“
„Ja, fand ich auch“
„Ohne Foto oder Namen weiß ich nicht, ob ich Dir zustimme“
„Tja. Wer bei den Fickgeschichten gänzlich den Überblick verloren hat, muss wohl damit leben, dass er dumm da steht“
„Ohne die von mir benötigten Hinweise ist es aber auch echt unfair“

Ich antwortete wieder nicht, aber er blieb hartnäckig und so ging es eine Weile hin und her. Mir machte es Spaß, ihn hinzuhalten und meine Identität nicht zu offenbaren. Schließlich fragte ich ihn an einem Freitag Abend ganz direkt, ob er Bock auf Sex hätte, ich könnte spontan bei ihm vorbei kommen. Ein Überraschungsbesuch, denn ich hatte ihm immer noch nicht gesagt, wer ich war, aber so wusste er zumindest, dass ich wusste, wo er wohnt. Er stimmte zu und so fuhr ich zu ihm.

Er empfing mich an der Tür mit einem strahlenden Lächeln und den Worten „Und ich hab’s mir noch gedacht!“. Er war irritiert gewesen durch meine Falschangaben bzgl. Alter und Wohnort, daher ist er nicht darauf gekommen, dass ich das bin mit dem anonymen Profil. Er schien sich zu freuen, mich zu sehen, entschuldigte sich, dass er nicht mehr reagiert hatte auf meine letzte Nachricht vor Monaten und bot mir erstmal was zu trinken an. Wir setzten uns ins Wohnzimmer und tauschten uns über die letzten Monate aus, wobei eigentlich er viel mehr redete und ich mehr Fragen stellte. Er fragte mich, warum ich mich jetzt bei Joyclub angemeldet hatte und deutete an, dass er es auch schwierig und frustrierend findet, Frauen kennenzulernen und dass die meisten gar nicht erst antworten würden. Das wunderte mich bei ihm ein wenig und es wunderte mich auch, warum er mich dann nicht mehr kontaktiert hatte. Der Sex zwischen uns war gut bis sehr gut gewesen und wenn er keine Alternativen hat scheinbar, warum meldet er sich nicht mehr bei mir? Vielleicht bin ich optisch nicht so sein Fall? Ich fragte ihn, ob er echt auf mollige Frauen stehen würde und wie genau das gemeint ist, ob er damit große Titten meint. Nein, das nicht, die Oberweite einer Frau sei ihm egal (ist mir auch schon aufgefallen), aber er mag es wenn bei einer Frau „was dran“ ist und sie mehr Po, Hüfte und Oberschenkel hat als normal.

Wir unterhielten uns gefühlt eine Ewigkeit lang weiter über Gott und die Welt und was so passiert in unserem Leben und unserem Land. Er erzählte mir, dass er bald vor Gericht stehen wird wegen Drogenbesitz, während er zwischendurch ein wenig kiffte und ich wurde immer müder und gelangweilter, weil ich dachte, jetzt muss es doch endlich mal losgehen, wir kennen uns ja schon und das Vorgeplänkel war jetzt wirklich ausreichend. Er jedoch schien die Unterhaltung mit mir zu genießen. Als wir dann das Thema Flüchtlingskrise endlich durch hatten, fragte er „Und was sagst Du zu Trump?“ (es war kurz nach den Wahlen in den USA) und da verlor ich die Geduld und antwortete „Können wir jetzt endlich mal vögeln oder soll ich wieder heim fahren?“. Er grinste und fiel über mich her, wir knutschten ziemlich wild herum und es machte wie immer richtig Spaß mit ihm. Ich konnte es mir nicht verkneifen und sagte ihm, dass ich seine Küsse toll finde, es aber echt schade wäre, dass er nur „situationsabhängig“ gerne küsst (so stand es in seinem Joyclub Profil geschrieben). Dazu sagte er nur „Jaaaa, und jetzt IST die Situation!“ und knutschte mich erneut nieder. Es war eine Wohltat und es harmonierte echt gut zwischen uns. Wir vögelten ziemlich geil und hemmungslos. Postkoital war er zwar wieder nicht besonders zärtlich, aber erstaunlicherweise brachte er mir einen Schokoriegel ans Bett und fragte sogar, ob ich über Nacht bei ihm bleiben will. Das war immerhin schon ein Fortschritt im Vergleich zu den Lieblosigkeiten nach unseren ersten Malen. Wir schliefen zusammen ein, da er aber wieder unerträglich schnarchte, zog ich mich irgendwann an und fuhr nach Hause. Am nächsten Tag kam eine SMS von ihm, er schien erfreulicherweise also meine Telefonnummer noch zu haben „Hallo Losti, schade dass Du gestern gehen musstest, aber ich hab wohl zu laut geschnarcht 😉 … hoffe Du hattest einen chilligen Tag …“ Darauf antwortete ich „Ja, das hast Du :). War ein sehr gelungener Abend gestern, können wir gerne mal wiederholen“.

Was wir dann nach unendlich viel Rumgeeiere dann irgendwann auch taten. Bald nachzulesen, im dritten Teil.

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Der Manager klopft an

Gestern bekam ich auf meine alte Nummer, die ich mittlerweile nur noch an Tinderbekanntschaften gebe, eine WhatsApp von einer unbekannten Nummer. Im Profilbild jemand beim Kitesurfen, Gesicht nicht erkennbar.

Hm. Ich kam nicht drauf, wer das sein könnte. Zwischenstopp?? Was soll das bedeuten. Ich stehe nicht auf solche Ratespielchen, also antwortete ich erstmal nicht. Dann ist mir heute ein Licht aufgegangen. Klar, der Manager Teil 1 Teil 2! Wir hatten uns im Flugzeug auf dem Weg zu seinem Zwischenstopp kennengelernt! Und sein Profilbild passte auch dazu, er erzählte mir vom Kitesurfen. Meine Güte, das ist ja jetzt über 2 Jahre her. Neugierig bin ich schon, ob er sich meldet, weil er jetzt Single ist. Andererseits, ich fand es blöd, wie er sich rumlaviert hat. Aber er war hot. Egal. Ich halt jetzt mal die Finger still. Vielleicht kommt ja noch was von ihm.

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Live aus der Tinderhölle (2)

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Live aus der Tinderhölle

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