Der Skandinavier

Oh ja, er sah echt super aus auf den Bildern. Stellt Euch einen attraktiven Skandinavier vor. Wie hieß nochmal dieses schwedische männliche Model? Markus Schenkenberg? ja, genau so. Gott war ich entzückt. Seine Bilder zeigten ihn unter einem Wasserfall mit nacktem Oberkörper und an einem Kletterfelsen hängend. Wir schrieben kaum und trafen uns spontan an einem Sonntagabend an einem öffentlichen Platz im Hochsommer. Ich zog mein schönstes Sommerkleid an, an dem Platz konnte man sich gut hinsetzen und es gab einen Kiosk in der Nähe, der auch Drinks verkaufte. Als ich ihn sah, zuckte ich kurz zusammen. Der Mann hatte ausgeprägte Akne-Narben im ganzen Gesicht. Das hatte er auf den Fotos gut verborgen gehalten. Ich meine, dafür kann er nichts, aber mit offenen Karten gespielt ist das nicht. Wir holten uns je ein Getränk und er fragte mich, ob ich wohl zahlen könnte, denn er hatte sein Geld vergessen. Es war ihm sichtlich peinlich und ich versuchte ihm diese Peinlichkeit zu nehmen, indem ich ihm versicherte, dass das überhaupt kein Problem sei und jedem Mal passieren kann. Er bestellte ein schwedisches Getränk, eine Art Apfelschorle oder Cider und betonte, dass er ja sonst keinen Alkohol und auch nichts Zuckerhaltiges konsumieren würde, aber dieses Getränk würde ihn eben an die Heimat erinnern und insofern würde er eine Ausnahme machen. Nicht kompatibel. Nein, nein, nein. Das klang mir nach heavy Macke! Er roch irgendwie komisch, so abgestanden. Nicht nach Schweiß sondern eher nach Moder. Als würde er nie lüften oder seine Klamotten nie waschen. Vielleicht benutzte er kein Waschmittel, nur Wasser? Er erzählte, dass er halb in Deutschland und halb in Ibiza leben würde, und momentan ein Start Up aufbaut. Die Geschäftsidee habe ich nicht verstanden, irgendwas im Finanzsektor und da kenne ich mich Null aus. Er verbrachte viel Zeit in Deutschland, kannte aber die Stadt und die Gegend kaum, was mich schon erstaunte, da er vorgab nicht viel zu arbeiten. Immer wieder bekam ich einen Schwall von dem Geruch in die Nase. Ich benahm mich sehr kühl, war zwar freundlich und gesprächig, hielt ihn aber auf Distanz. Das spürte er wohl, denn wir verabschiedeten uns bald und ich hörte nie wieder was von ihm. Zum Glück.

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Verhalten und Erfahrungen bei Tinder im Zeitverlauf

Im aktuellen Post von Tinderundsowas bin ich auf den Kommentar von André gestoßen, der mich auf einen bzw. mehrere Analysen zu Tinder aufmerksam gemacht hat:

Ich habe den Bericht gelesen und auch die verlinkten anderen Beiträge sowie den wissenschaftlichen Artikel dazu und stimme den Beobachtungen weitgehend zu, was das Match und das Schreibverhalten angeht. Ich fand es auch beruhigend zu lesen, dass die Autorin ähnliche Erfahrungen beim Schreibverhalten gemacht hat und viele „Fade-out“ Konversationen erlebt hat.

Zu den unterschiedlichen Dating und Matching Verhalten von Männern und Frauen schreibt André:

„Das kann ich auch nur unterschreiben. Wenn man vom Aussehen normaler Durchschnitt ist kommen da nur sehr wenige Matches zusammen, gefühlt so nach 50 Likes vielleicht ein Match. Und man wird mit der Zeit auch deutlich weniger wählerisch, um überhaupt in Kontakt zu kommen so ist es nicht. Und die Antwort Ratio zieht das ganze noch etwas nach unten aus männlicher Sicht. Klar da gibt es in jedem Profil was zu optimieren und auch an einem selbst, dennoch hab ich bei Freundinnen gesehen, die sicherlich gut aussehen, aber jetzt auch nicht umwerfend bei locker 50% Like auch ein Match haben. Frauen sind da gefühlt sehr wählerisch, einfach weil es inzwischen viele Männer gibt die einfach alles erstmal liken 😉“

Ich höre in der Tat immer wieder, dass Männer es angeblich schwerer haben an Matches und auch an Dates zu kommen. Der Gemüsemann und der Regenmann sagten das und auch der Kiffer hat mal erwähnt bei einem unserer letzten Treffen, dass kaum ein Match zustande kommt und ihm kaum eine schreibt, dabei ist er überdurchschnittlich attraktiv wie ich finde. Jedoch ist es auch als Frau mühselig geworden, die Matches kommen, aber die guten Konversationen und Dates sind nicht gerade üppig, im Gegenteil. Ich habe mal meine aktuellen Erfahrungen reflektiert und auch, wie sich die Dinge über die Zeit entwickelt haben, seit ich Tinder nutze (mittlerweile fast 2,5 Jahre, OMG!).

Wen und was suche ich auf Tinder?
Ich lebe in einer mittelgroßen Stadt und suche nach Männern in 15 km Umkreis mit einer Alterseingrenzung von +/- 5 Jahren zu meinem Alter. Man muss vielleicht berücksichtigen, dass das Durchschnittsalter bei Tinder Mitte 20 ist, ich bin gute 10 Jahre älter. Vielleicht gibt es auch Unterschiede im Verhalten je nach Altetsgruppe. Ich bin offen für das was sich ergibt und ich hasse es, wenn als erstes die Frage kommt „was suchst Du auf Tinder?“ Das ist für mich ein Stimmungskiller, denn ich tue mich schwer damit, wenn das so vordefiniert ist. Ich suche Begegnungen und erst wenn man sich kennenlernt gewinnt man ein Gefühl dafür, was sich aus der Begegnung ergeben könnte. Erfreulicherweise wird das gar nicht so häufig thematisiert, auch bei den Dates nicht und so ist es mir am liebsten. Einfach alles unvoreingenommen auf sich zukommen lassen und den Dingen ihren Lauf lassen. Allerdings verstehe ich auch, wenn es viele verunsichert, wenn es nicht offen gelegt wird, was genau man sucht, wie auf anderen vergleichbaren Plattformen. Im Artikel oben steht auch sinngemäß „the purpose of Tinder is by intention not clearly defined which leaves room for interpretation“, was wiederum zu „Mißerfolgen“ führt, wenn die Erwartungen sich nicht decken aufgrund fehlender Informationen über die Absichten des jeweils anderen.

Wen like ich?
Ich selbst like geschätzt ca. 10% aller männlichen Profile die ich sehe und bin damit sehr wählerisch. Ich like nur Männer, die mir optisch gefallen und bei denen mich die Bilderauswahl überzeugt und zugegebenerweise tendenziell „in meiner Liga“. Ich mag es, wenn Männer natürlich wirken und ein offenes Lächeln zeigen. z.B. mag ich keine Fotos mit verzogener Fratze, Zunge rausgestreckt oder nur Bilder mit grimmigem Gesicht, nur Bilder mit Sonnenbrillen, Fotos mit nacktem Oberkörper vor hässlichen Badezimmerfließen, Fotos vor dicken Autos oder Motorrädern, Fotos in der Business Class oder sonstiges Rumgeprotze, andere Frauen auf dem Bild sind ebenfalls ein Abturner sowie Kinder, selbst wenn es „nur meine Nichte“ ist (ich habe kein Interesse an Männern mit Kindern und wenn damit ein Kinderwunsch demonstriert werden soll, ist es mir auch zu offensiv.). Vorwiegend Landschafts- und Essensbilder zu zeigen, finde ich komplett fehl am Platz. Ich like auch keine Profile, bei denen man das Gesicht nicht deutlich erkennt. Letztlich zählt aber das Gesamtbild, dies sind keine Grundsatzregeln, nur Tendenzen. Wenn der Gesamtauftritt sehr sympathisch ist, like ich auch Männer, die ich nicht so attraktiv finde. Im Lauf der Zeit hat sich das bei mir nicht verändert denke ich. Hier ein paar ausgewählte Profile die ich definitiv nicht liken würde.

Wer liked mich?
Geschätzt 70% aller Männer bei denen ich das grüne Herz drücke zur Zeit, liken mich auch und es ergibt einen Match. Ich würde mich als leicht überdurchschnittlich attraktiv einschätzen und habe 4 Fotos von mir hochgeladen, Portrait und Ganzkörperfotos in Bekleidung. Ich meine, dass mich früher noch mehr Männer ebenfalls geliked haben, insbesondere ganz zu Anfang war es eher die Ausnahme, dass ich nicht zurückgeliked wurde.

Wer schreibt mir?
Im oben erwähnten Artikel steht, dass nur 7% aller Männer die Frau nach einem Match anschreiben, offenbar weil die Männer erst nach dem Match selektieren und auch weil viele „nur mal gucken wollen“. Dies kann ich bestätigen, ich schätze, nur etwa jeder 8. bis 10. Match schreibt mich an. Ich habe mal geschaut, in meiner 2,5-jährigen Tinder Aktivität habe ich aktuell 145 Matches in meiner Liste gesammelt, mit denen es gar keine Konversation gab. Dann habe ich ca. 25 Karteileichen, mit denen die Konversation eingeschlafen ist und auch noch ein paar alte Dates in der Liste, die ich ab und zu stalke. Die meisten alten Dates habe ich gelöscht oder ich wurde gelöscht. Wie viele Matches insgesamt wieder aufgelöst wurden von mir oder von den Männern, darüber habe ich keinen Überblick und auch kein Gefühl dafür, wie viele es waren, aber es waren viele. Allen die mir schreiben, antworte ich auch, es sei denn jemand schreibt was ganz Blödes. Wenn mir jemand ein Kompliment für meine Fotos macht, bedanke ich mich und kommentiere ebenfalls ein Bild von ihm positiv. Wenn jemand was witziges schreibt, versuche ich zu kontern. Wenn jemand nur „Hi“ schreibt, antworte ich ebenfalls mit „Hi“.

Wem schreibe ich?
Ich schreibe grundsätzlich keine Männer an, nur in ganz seltenen Fällen, wenn mich ein Foto oder der Text wirklich dazu animieren. Ganz einfach, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass es nichts bringt und es Männer offenbar langweilt, wenn sich die Frau „anbietet“. Der Artikel oben bestätigt auch, dass Männer nach dem Matchen erst sich die für sie interessanten Frauen rauspicken. Und offenbar ist es auch so ein Rest an Jagdinstinkt, keine Ahnung  (Kleine Anekdote am Rande, tut hier eigentlich nichts zur Sache: Ich habe einen Hottie mal angeschrieben neulich, der ein sehr witziges Gedicht im Profil verfasst hatte und ihn für das Gedicht gelobt. Lustigerweise hat er mich zeitgleich auch angeschrieben. Das fand ich cool und war gleich euphorisch, weil ich das als gutes Zeichen deutete. Die Konversation lief gut und flüssig, irgendwann antwortete er nicht mehr, was ich sehr schade fand. Ich hakte sogar nochmal nach, aber er meldete sich nie wieder.)

Wie entwickeln sich die Konversationen?
Mittlerweile verlaufen die meisten im Sande und sind von vorneherein eher uninspiriert. „Hi“, „Hallo“, „wie geht’s?“, „was machst Du?“, „woher kommst Du?“, dann folgen Fragen nach dem Job und Wohnort etc. Das war früher deutlich anders, die Männer und vermutlich auch ich haben sich mehr Mühe gegeben und sind eher dran geblieben. Vermutlich war es noch aufregender und neu für alle (oh wow ein Match!), jetzt hat es sich finde ich abgenutzt, weil jeder der schon länger dabei ist, bereits mit zig Menschen den gleichen Chat geführt hat und abgestumpft ist. Man merkt es auch  daran, dass Männer, die angeben, neu bei Tinder zu sein, sich mehr reinhängen. Bei den meisten Konversationen hört einer irgendwann auf zu schreiben, wobei ich selbst nicht „mitten im Gespräch“ jemanden im übertragenen Sinne stehen lassen möchte, sondern eher nach einem „Gute Nacht“ „wünsch Dir noch nen schönen Tag“ usw. nicht mehr neu den Faden aufnehme, wenn es mich langweilt. ich mag es auch nicht, wenn man merkt, dass sich die Typen Null Mühe und Sorgfalt geben und z.B. gar keine Satzzeichen verwenden, viele Rechtschreibfehler und nur so dahin gerotzte Antworten. Dann verliere ich schnell die Lust. Sehr wenige Konversationen sind interessant und/oder lustig und solche sind dann ein echtes Highlight. Manchmal finde ich es auch schade, wenn das Gespräch stirbt, insbesondere wenn ich mir Mühe gegeben hatte, auf das Profil einzugehen und in den Bildern oder im Text irgendwas entdeckt habe, wozu ich irgendwas Intelligentes sagen konnte. Ich beobachte auch, dass die weniger attraktiven Männer engagierter sind beim Schreiben als die sehr attraktiven, vermutlich haben sie insgesamt weniger Möglichkeiten. (Jedoch bin ich bei den weniger attraktiven empörter, wenn sie nicht mehr antworten haha ;)). Etwa bei 10-20% aller Konversationen wird nach einem Treffen gefragt, das dann auch zustande kommt.

Wie verlässlich sind die Männer bzgl. Treffen?
Hier muss ich sagen, dass ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Mit fast allen Männern, die nach einem Date gefragt haben, kam auch das Date zustande. Alle Männer waren pünktlich am verabredeten Treffpunkt und sahen auch in echt so aus, wie es ihr Profil andeuten ließ (bis auf den Skandinavier). Etwa nach einem Jahr bei Tinder hat zum ersten Mal ein Mann mich für das verabredete Treffen gebencht, also das Treffen am selben Abend immer weiter nach hinten geschoben und dann um ca. 20 Uhr gesagt, dass er es nicht mehr schafft. Dies finde ich eine Unverschämtheit, kam aber in 2 Jahren nur einmal vor. Der Löwe hatte mir das erste geplante Treffen auch abgesagt, das wurde aber nachgeholt. Allerdings hatte ich für letzte Woche zwei Dates geplant, die geplatzt sind. Mittwochs mit einem weniger attraktiven Mann, der nur ein Bild von sich eingestellt hatte und sich sehr gefreut hatte, dass ich ihm überhaupt antworte. Er sagte ca. 2 Stunden vor dem Treffen ab mit einer fadenscheinigen Begründung, aber immerhin einem sehr netten Text. Ich hab ihm gute Besserung gewünscht und danach nichts mehr gehört. Für Samstag war ich mit einem attraktiveren Mann verabredet. Ich schrieb ihm mittags, wie es bei ihm ausschaut, wann wir uns wo treffen wollen. Als ich bis 16 Uhr noch nichts gehört hatte, verabredete ich mich mit einer Freundin, um den Samstag Abend nicht ohne Programm zu verbringen. Um 21 Uhr kam eine Nachricht „sorry, war den ganzen Tag unterwegs und mache heute auch nichts mehr“. Hab ihn sofort gelöscht. Absolute Unverschämtheit. Ich hocke den ganzen Nachmittag da und warte auf eine Antwort von ihm, wir waren fest verabredet und da hält er es nicht für nötig abzusagen? No Go.

Wie laufen die Dates ab? Wie ist die „Erfolgsquote“?
Dazu siehe alle Einzelberichte, die hier gelistet sind und meine Tinderstatistik.

Fazit
Mittlerweile alles sehr mühselig mit hohem Frustrationspotenzial. In den letzten Wochen viel Zeit investiert für nichts, was sicherlich auch daran liegt, dass ich sehr wählerisch bin, aber ich komme eben auch aus meiner Haut nicht raus. Wenn sich bei meinen vermeintlich hohen „Ansprüchen“ nichts ergibt, dann hilft es auch nichts, wenn ich diese runterschraube, das Ergebnis wäre wohl noch mehr Frustration. Die Luft ist raus bei mir würde ich sagen. Aktuell habe ich z.B. mit mehreren Männern geschrieben, bei denen sich erst im Laufe des Gesprächs rausgestellt hat, dass sie nicht in meiner Stadt wohnen. Vergebliche Mühe, da ich an Eintagsfliegen kein Interesse habe. Ich mache trotzdem sporadisch weiter denn „von nix kommt nix“.

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Der Begehrte

Der Begehrte heißt der Begehrte weil ich ihn unbedingt treffen wollte, es aber fast anderthalb Jahre dauerte, bis es soweit war. Er gehörte zu meinen ersten Tinder Matches. Seine Fotos hatten was und wir schrieben unverbindlich hin und her, dann antwortete er nicht mehr, der Match war aber noch in meiner Konversationsliste und nachdem mehr als ein Jahr vergangen war, schrieb ich ihn erneut an. Ich fand ihn auf den Fotos immer noch sehr anziehend. Er arbeitete unter der Woche in einer anderen Stadt und so kam für ein Treffen nur das Wochenende in Frage. Einmal waren wir verabredet und es kam nicht zustande, weil ich absagen musste (drei Tage vorher allerdings), dann verlief es sich wieder im Sande. Irgendwann besuchte ich aber eine Freundin in der Stadt, in der er arbeitete und hatte einen freien Abend, da meine Freundin an dem Tag Spätschicht hatte. Also schrieb ich ihm wieder und wir verabredeten uns. Ich kannte mich in der Stadt nicht so gut aus und stieg versehentlich in eine falsche Bahn, leider merkte ich das erst sehr spät. Dann blieb die richtige Bahn auch noch im Tunnel stecken wegen eines technischen Defekts, sodass ich fast eine halbe Stunde zu spät kam. Ich schrieb ihm sofort, als ich absehen konnte, dass ich es pünktlich nicht mehr schaffe, allerdings konnte ich zu Beginn nicht absehen, dass es so viel länger dauern wird, bis ich da bin. Als ich dann endlich beim Treffpunkt war, war er schon etwas genervt verständlicherweise. Ich entschuldigte mich überschwänglich, erklärte ihm, dass das sonst nicht meine Art sei, dass ich aber die Stadt und die Wege nicht so gut kenne und die Sache mit dem Tunnel sei höhere Gewalt und ich versprach, ihn zur Entschädigung auf einen Drink einzuladen. Er nur so „Ja ja, das sind alles Ausreden, gib’s zu“, aber ohne eine Miene zu verziehen. Ich war irritiert. War das nun witzig gemeint oder wie sollte ich das verstehen? Ich war mir nicht sicher, aber die Stimmung war irgendwie von Anfang an komisch und angespannt. Dann fragte er wo ich her komme, ich verriet es ihm und stellte ihm die Gegenfrage, woraufhin er mich aufforderte, zu erraten, wo er her kam. Ich nannte auf gut Glück ein paar Städte und Gegenden, lag aber daneben und fand es irgendwann nicht mehr lustig, als er mich immer weiter animieren wollte, weiterzuraten. Dann fragte er mich, was ich beruflich mache. Ich verriet es ihm ohne Ratespielchen und er nur so „Aha, Du bist also eine Weltverbessererin“. Nun ja, das klang ein bisschen verächtlich und er wirkte langsam insgesamt passiv-aggressiv und ich fand ihn immer unsympathischer. Also sagte ich „Ja, und Du bist bestimmt ein IT Nerd“. Ich musste so lachen, da ich einen Volltreffer gelandet hatte, denn er war tatsächlich Informatiker. Wir schlenderten durch die Gegend, entschieden uns dann für eine Bar und bestellten Gin Tonics. Er wollte mir erklären, dass Rum und brasilianischer Cachaca das Gleiche seien. Nun wusste ich aber ziemlich sicher, dass zwar beides aus Zuckerrohr gemacht wurde, jedoch auf eine andere Art oder mit einem anderen Bestandteil des Zuckerrohrs und dass es insofern definitiv nicht das Gleiche war, den genauen Unterschied hatte ich aber nicht parat. Mein Ex-Mitbewohner hatte es mir nämlich wenige Tage zuvor lang und breit erklärt, als wir die Herstellungsarten verschiedener Spirituosen durchdeklinierten (weiß auch nicht wie wir darauf gekommen sind). Der Ex-Mitbewohner hatte es mir sogar von Wikipedia vorgelesen, insofern war ich mir sehr sicher und wagte, den Begehrten zu korrigieren. Daraufhin er „pff, so ein Quatsch, Du kannst es mir ja noch nichtmal richtig erklären, Du bist also nicht nur eine Weltverbessererin sondern auch eine Besserwisserin“. Und so ging das in einem fort, er war mir so unsympathisch, dass mich seine Anwesenheit fast schon provozierte zu gehen. Zudem hatte er einen sehr durchdringenden Blick und versuchte mir immer näher zu kommen (wir saßen nebeneinander). Als wir ausgetrunken hatten, sagte er „das war dann wohl nix heute, oder?“, ich so „nee, glaub eher nicht“. „woran lag’s“ wollte er wissen und ich antwortete „ehrlich gesagt, Du warst mir von Anfang an unsympathisch und ich habe den Eindruck, das beruht auf Gegenseitigkeit“. Nachdem ich das gesagt hatte, legte er plötzlich den Arm ungeschickt um mich herum, also halb um mich, halb um meine Stuhllehne. Ok, das kam jetzt doch überraschend und unpassend. Angenehm war es mir nicht, daher fügte ich hinzu „… und Deinen Arm kannst Du da wieder wegnehmen…“, was er dann auch tat. Wir beschlossen zu gehen, und obwohl ich es zuerst vehement ablehnte, bestand er darauf, mich noch zur Bahn zu begleiten, was im Endeffekt nicht so verkehrt war, da ich mich ja tatsächlich nicht auskannte in der Stadt. Ich bedankte mich, dass er mich trotzdem begleitet hatte und sagte „also dann, mach’s gut“ und er zog noch alleine weiter um die Häuser. Wir hörten nie wieder voneinander. Ich denke, das war mein skurrilstes Tinder Date bisher. Definitiv.

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Der Kiffer (Teil 1)

Endlich fange ich an, diese Geschichte aufzuschreiben, denn der Kiffer ist der Tindermann, den ich bisher am öftesten getroffen habe (allerdings meist nur zum Bumsen) und der mich am längsten schon auf seine Art und Weise beschäftigt. Der Kiffer ist zwei oder drei Jahre jünger als ich und hatte nur ein einziges Foto bei Tinder eingestellt, allerdings ein sehr gelungenes. Auf diesem Bild sieht er aus wie aus einem Modelkatalog, er trägt ein hellblaues Hemd mit offenem Kragen und lacht frontal in die Kamera. Blond, blaue Augen, weiße Zähne, strahlendes Lächeln. Der perfekte Schwiegersohn, zumindest optisch. Im Profil stand nicht viel, nur ein Link auf seine Homepage, er ist Personal Trainer. Er schrieb sehr nett und höflich, in vollständigen Sätzen, gutes schriftliches Small Talk. Dann fuhr er zunächst in den Urlaub, danach aber meldete er sich pflichtbewusst zurück und wir trafen uns in einem Biergarten. Er sah älter und verlebter aus als auf dem Foto und ich fand seine Klamotten ein bisschen peinlich, er hatte so eine Basketballer Kombi an, es stellte sich jedoch heraus, dass er gerade vom Training kam, er hatte früher sogar mal in der 2. Bundesliga profimäßig Basketball gespielt. Wir unterhielten uns super, hatten ähnliche Interessen, er war klug und witzig und erzählte mir seine ganze Familiengeschichte. Wir führten fasst schon philosophische Gespräche über alles Mögliche und vereinbarten, am darauf folgenden Samstagabend zusammen in einen Club zu gehen. Nach dem Date schrieb er mir eine sehr nette SMS (ja, der gute Mann hatte Paranoia vor Datenklau bei Whatsapp). Ich fand ihn sehr sympathisch, für was Ernsthaftes schien er aber nicht wirklich in Frage zu kommen, da er offenbar ein Lebenskünstler aus Überzeugung war. Er studierte schon seit Ewigkeiten, hatte es mit dem Abschluss auch nicht eilig und schien insgesamt sehr kurzfristig zu denken und total verpeilt zu sein. Auch wenn ich mit so jemandem vermutlich nicht zusammen sein könnte, fand ich ihn als Persönlichkeit sehr interessant und auch attraktiv und war gespannt, ob wir uns näher kommen würden. Beim zweiten Date im Club hatten wir viel Spaß zusammen, wir tanzen und tranken und ich mochte es, dass er so selbstbewusst war und mich irgendwann einfach küsste. Das Küssen war sehr toll und vielversprechend, wir machten eine Weile auf der Tanzfläche rum und holten uns noch was zu trinken. Dann fragte er mich, ob wir noch wo anders hin gehen wollten. Ich überlegte, welche Bar oder Club in der Nähe noch offen haben könnte und fragte ihn, wo wir denn jetzt noch hingehen könnten. Ohne mit der Wimper zu zucken sagte er „na, zu mir oder zu Dir“. Ich musste nur noch lachen und willigte ein, mit zu ihm zu gehen. Der Sex war mega. Jackpot. Ich fühlte mich wie ein Glückspilz. Wir schliefen danach ganz kurz ein, aber ich merkte, dass ich immer noch horny war und weckte ihn für eine zweite Runde, die wir dann aber abbrechen mussten, da ich nicht mehr konnte. Danach schlief er als erster wieder ein, da er aber so laut und heftig schnarchte wie ein Gorilla konnte ich kein Auge zu tun und bin dann einfach gegangen ohne ihn zu wecken. Ich schrieb ihm eine SMS, dass ich den Abend toll fand und entschuldigte mich, dass ich gegangen bin ohne mich zu verabschieden. Er antwortete gleich was Nettes. Ein paar Tage später schrieben wir ein paar Mal, allerdings blieb es immer nur unverfänglich. Er begann mit „Hallo wie geht’s?“, „na, alles klar?“ und ich antwortete „ja, alles prima, was machst Du?“ und so ging das eine Weile hin und her bis ich ihn schließlich gefragt habe, ob wir uns mal wieder treffen wollen. Auch die Terminkoordination war nicht einfach, schließlich besuchte ich ihn aber irgendwann unter der Woche abends. Wir unterhielten uns erst relativ lange, ich lernte sogar seine Mitbewohnerin kennen und irgendwann fingen wir endlich an, rumzumachen. Mitten im Gespräch holte er eine riesige Bong hervor, die neben dem Sofa stand und nahm ein paar tiefe Züge. Als ich irritiert schaute, fragte er mich, ob ich ein Problem damit hätte. Nun ja, es wirkte so, als würde er täglich kiffen, mindestens. Immerhin putzte er anschließend kurz seine Zähne, man schmeckte es aber natürlich trotzdem. Der Sex war aber wieder ziemlich gut. Allerdings wandte er sich danach relativ unvermittelt von mir ab, zog sich an und begann auf seinem Handy rumzuspielen. Ich denke auch, dass er nochmal ein bisschen gekifft haben muss, als er kurz draußen im Wohnzimmer war. Also zog ich mich ebenfalls an und wollte gerade gehen, als draußen ein Gewitter losbrach. Ich war mit dem Fahrrad zu ihm gekommen und wollte das nicht bei ihm stehen lassen, außerdem war es spät, es fuhr bestimmt kein Bus mehr und einen Regenschirm hatte ich sowieso auch nicht dabei. Er ignorierte mich mehr oder weniger und machte auch keine Anstalten mir irgendwie zu helfen, indem er mir z.B. anbot doch bei ihm zu bleiben und ich wollte mich nicht aufdrängen, aber draußen ging wirklich die Welt unter und es war zwei Uhr nachts. Also informierte ich ihn darüber, dass ich mich nun zumindest so lange nochmal hinlegen würde, bis es aufhörte hatte zu gewittern, zog mich wieder aus und legte mich neben ihn. Er sagte nur „ok“, nahm mich nicht mal in den Arm, gar nichts. Dann schliefen wir beide ein bzw. versuchte ich es vergeblich. Irgendwann wachte er auf und muss wohl vergessen haben, dass er nicht alleine war, jedenfalls riss mir meine Decke weg. Da merkte er plötzlich, dass unter der Decke noch jemand lag und schmiss die Decke mit Schwung wieder auf mich drauf. Ich tat so als merkte ich es nicht, war aber sauer und fühlte mich irgendwie schäbig. Es passte beim Sex echt gut zwischen uns, aber danach möchte ich nicht wie ein lästiger Gegenstand behandelt werden sondern zumindest wie ein Gast. Ich war wütend und als es aufgehört hatte zu regnen, stand ich auf während er schnarchte und fuhr nach Hause. Ich nahm mir vor, ihm nicht mehr zu schreiben und falls es zu einem weiteren Treffen kommen sollte, wollte ich ihm die Meinung sagen. Er meldete sich ein paar Tage später, wieder so unverbindlich, ohne konkret zu werden wg. Treffen, ich hatte aber Bock auf Sex und war eigentlich froh, mit ihm endlich jemanden getroffen zu haben, der sich für eine Freundschaft Plus eignete und so fragte wieder ich ihn nach einem weiteren Treffen. Als ich wieder bei ihm im Zimmer saß, erklärte ich ihm, dass ich mich beim letzten Mal danach sehr blöd gefühlt hatte und dass ich zwar auch nicht der große Romantiker bin, es aber auch nicht mag, wenn man mich derart lieblos behandelt. Er versuchte es mit Humor zu überspielen „Wieso? Ich habe die Decke doch ganz zärtlich auf Dich wieder drauf gelegt?“ und ich musste nur noch lachen. Der Sex war wieder super. Danach ging das gleiche Spiel wieder los. Er schrieb mir zwar, kam aber nicht zu Potte, antwortete sehr verzögert, eierte nur rum und schließlich fragte ich wieder konkret nach einem Treffen „Wie schaut es denn nächste Woche bei Dir aus?“. Daraufhin meldete er sich erst drei Tage später mit „sorry, zur Zeit viel Stress“. Ich schrieb ihm dann nicht mehr, denn ich fand diese Art der Kommunikation ziemlich beschissen. Es tat mir leid um den guten Sex und irgendwie hoffte ich auch, er würde sich wieder melden, das tat er aber nicht. Auch wenn ich immer wieder an ihn dachte, hatte sich die Geschichte für mich irgendwann auch erledigt. Sie sollte sich aber wieder fortsetzen, einige Monate später.

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Die Natur ist gnädig

Wie schon ein paar Mal gesagt, finde ich das Leben alleine gar nicht so übel. Ich finde, ich habe das echt gut hingekriegt, mich zu versingeln. Ich genieße die Freiheiten, pflege meine Freundschaften und Bekanntschaften und komme alleine prima zurecht. Klar denke ich manchmal, dass es schon auch schön wäre, einen Partner zu haben, aber eigentlich brauche ich niemanden „an meiner Seite“. Gäbe es nur diesen blöden Sexmangel nicht, das habe ich wirklich unterschätzt. In einer festen Beziehung ist die sexuelle Grundversorgung gesichert, das ist wohl eines der größten Vorteile aus meiner heutigen Sicht. Regelmäßiger Sex und allgemein der Austausch von Zärtlichkeiten waren früher für mich so selbstverständlich, dass ich mir gar nicht vorstellen konnte, welchen Mangel man erleidet, wenn der Zugang fehlt. Es ist nun mal ein Grundbedürfnis und ein one night stand alle drei Monate kann das nicht kompensieren. Eine Zeit lang war ich dermaßen nervös und unruhig, dass ich nun gut nachvollziehen kann, wie es manchen Männern geht, die keinen Sex haben. Angeblich sind die körperlichen Triebe bei Männern im Durchschnitt ja stärker ausgeprägt. Die Armen. Ehrlich, ich hätte die Wand hochlaufen können vor lauter Unbefriedigung. Dies führte schließlich auch dazu, dass ich mich sogar auf einer Sexseite anmeldete, in der Hoffnung dort leichter einen festen Liebhaber für eine unkomplizierte und gepflegte Affäre zu finden als bei Tinder. Nun ja, es war gruselig und ich kehrte unbefriedigt wieder zu Tinder zurück (davon berichte ich vielleicht mal in einem eigenen Beitrag). Ich habe auch mal irgendwo gelesen, dass gegen Ende 30 die Libido bei Frauen stark ansteigt. Der Körper gibt quasi Gas, da es die letzte Chance ist, sich zu reproduzieren und dafür muss man eben Sex haben, am besten viel und regelmäßig. Vielleicht trifft diese Theorie auf mich zu. Die Sehnsucht nach Körpernähe, Berührung und Sex war teilweise unerträglich. In den letzten Wochen und Monaten hat es jedoch deutlich abgenommen. Ich merke, wie ich ruhiger werde und nur noch selten an Sex denke bzw. nicht mehr so sehr das Bedürfnis danach verspüre. Darüber bin ich sehr froh und ich hoffe es bleibt so, denn ich fühle mich so zufriedener und ausgeglichener. Auch dazu gibt es eine Theorie: wenn man sich entwöhnt, dann fährt der Körper die entsprechenden Funktionen runter. Die Natur ist also doch gnädig.

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Tick Tack

Ich habe zwei Freundinnen, die definitiv keine Kinder haben woll(t)en. Beide extrem freiheitsliebend. Die erste hatte noch nie mit einem Mann zusammen gelebt und war begeisterte Hobbysportlerin, die zweite sehr feier- und reisefreudig. Als ich mich von meinem langjährigen Freund trennte, dachte ich, auf die beiden sei Verlass. Sie würden aller Wahrscheinlichkeit nach kinderlos bleiben, so wie ich vielleicht auch und gemeinsam könnten wir durch dick und dünn gehen. Nun, die erste hat mittlerweile einen 6 Monate alten Sohn. Von einem Tinder-Mann übrigens. Sie kannten sich zwei bis drei Monate und es lief auf was Ernstes hinaus. Sie  ging zum Frauenarzt, um sich die Pille verschreiben zu lassen und da erfuhr sie, dass sie diese wohl erstmal eher nicht benötigen würde, da sie schwanger sei. Trotz Kondom. Beide können sich nicht erinnern, dass je etwas daneben gegangen wäre. Meine Freundin hat hin und her überlegt, eigentlich wollte sie nie Kinder, aber mit 37 war das vielleicht die letzte Chance? Der Freund hat super reagiert, im Gegensatz zu ihr hatte er sich schon immer eine Familie gewünscht und zwischen den beiden lief es sehr gut, sie waren verliebt, hatten die gleichen Interessen und verstanden sich super. Nun sind sie happy zu dritt. Es ist nicht immer einfach für meine Freundin, da es ihr oft zu eng wird und sie auch ihr Single Leben vermisst, alles in allem wirken sie aber sehr glücklich zusammen. Es ist übrigens die Freundin, die mir damals Mr. Sorglos „empfohlen“ hatte. Nun schrieb mir letzte Woche die andere Freundin. „Bitte ruf mich an. Mir ist gerade der Himmel auf den Kopf gefallen.“ Sie ist schwanger von ihrem Freund, mit dem sie seit ein paar Jahren zusammen ist. Die Beziehung läuft gut, aber der Kerl hat kein festes Einkommen und sie finanziert das gemeinsame Leben zum Großteil alleine. Das Kondom ist mal „verloren“ gegangen, sie hatte sich die Pille danach geholt, diese wirkt aber ja nur vor dem Eisprung und welche Frau weiß schon genau, ob der Eisprung nun schon war oder nicht. Meine Freundin hat eine chronische Krankheit, die eine Schwangerschaft deutlich erschweren würde. Vor ein paar Wochen waren wir zusammen verreist und da hat sie mir noch erzählt, dass sie definitiv in „diese Welt“ kein Kind setzen will und sich das auch nicht vorstellen kann, so eine „Fessel“ die nächsten 20 Jahre lang zu haben. Ihre Patenkinder liebt sie über alles und das reicht ihr. Ich bin gespannt, was sie jetzt macht. Ich hoffe irgendwie, dass sie das Baby behält. Ich denke, es ist ein Zeichen, dass es so sein soll und dass das Kind unbedingt auf die Welt kommen will. Und sie kann sehr gut mit Kindern umgehen, besser als ich jedenfalls. Seit dem ich das weiß, fühle ich mich aber irgendwie verlassen und „übrig geblieben“. Jetzt haben wirklich alle meine engen Freundinnen Kinder. Klar kenne ich auch Frauen, die (noch) kinderlos sind, das sind aber eher gute Bekannte oder Freizeitpartner. Durch Kinder ändern sich Freundschaften. Es ändert sich nicht unbedingt die Verbindung, die man zueinander hat, aber das Leben insgesamt ändert sich einfach und dadurch auch die verfügbare Zeit, Energie und Prioritäten im Leben. Gewissermaßen lebt man dann doch in verschiedenen Welten. Ich hatte noch nie einen dringenden Kinderwunsch, dachte aber schon immer, dass Kinder zum Leben dazu gehören. Ich komme aus einer „funktionierenden“ Familie und einem stabilen Umfeld und der Gedanke, dass ich selbst auch eine Familie haben würde, erschien mir immer ganz natürlich. Als mein jüngerer Bruder vor drei Jahren sein erstes Kind bekam, war die ganze Familie erstaunt, dass er „schneller“ war als ich. Mein Ex wollte unbedingt Kinder und wir waren auch sogar etwas nachlässig mit der Verhütung in den letzten zwei Jahren unserer Beziehung. Davor schoben wir das Thema immer auf. Erst das Studium beenden, dann Berufserfahrung sammeln, dann wollte er noch ins Ausland für ein paar Monate, dann kauften wir eine Wohnung, dann planten wir unsere Hochzeit und dann war Schluss. Und jetzt ist es für mich eigentlich zu spät, oder sagen wir, es müsste schon ein Wunder passieren. So wie bei meinen beiden Freundinnen. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass man im gleichen Freundeskreis drei derartige Wunder erlebt? In fast jedem Freundeskreis gibt es nämlich auch jemanden, der sich nicht vermehrt und dass scheine wohl bei uns ich zu sein. Wie gesagt, ich kann mir ein Leben ohne Kinder gut vorstellen. Was mir jedoch jetzt als „letzte“ Kinderlose erst so langsam bewusst wird, ist, dass man wenn man keine Kinder hat, zu einer Minderheit gehört. Man kann nicht mitreden und gehört nicht mehr so richtig dazu. Es fehlt eine entscheidende Erfahrung, die meines Erachtens zum Leben und zum Mensch sein dazu gehört. Nicht zwingend, das ist klar, aber doch darf ein sehr großer Teil der Menschheit diese Erfahrung machen. Wozu sind wir Menschen sonst hier? Ich habe gehört, die Liebe, die man zu seinem eigenen Kind verspürt, ist unbeschreiblich. Man begleitet einen Menschen, der im eigenen Körper von einem Zellhaufen zu einem Baby herangewachsen ist, ins Leben. Durch einen selbst entstehen eigene Persönlichkeiten mit eigenem Willen, man hat als Eltern die Aufgabe, seine Kinder zu lieben, zu versorgen, zu pflegen, zu schützen, zu bekümmern und zu bilden. Das ist eine Lebensaufgabe und ich stelle mir vor, dass das sehr erfüllend sein kann. Manche kinderlose Menschen haben andere lebensfüllende Themen und Aufgaben. Mir fällt für mich persönlich dazu aber nichts ein. Sportarten ausprobieren, tolle Reisen machen, Ausgehen bis zum Morgengrauen usw. hab ich alles schon erlebt. Been there, done that. Irgendwie wiederholt sich das alles und es reißt mich nichts mehr so richtig vom Hocker. Es vergeht Jahr für Jahr und abgesehen davon, dass ich aus Versehen dabei bin, so eine Art Karriere zu machen, aber nur weil ich nicht weiß was ich sonst machen soll, verändert sich nichts. Ich bin in den besten Jahren und mein Leben stagniert.

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Happy Menstruation

Heute mal nichts über und auch nichts für Männer, es geht in diesem Beitrag um meine sogenannte „Monatshygiene“. (Männliche Leser können also bitte gleich umschalten, bevor sie irgendetwas eklig finden und ebenso Leserinnen, für die das Kapitel „Periode“ bereits abgeschlossen ist.) Vermutlich bleiben mir selbst nicht mehr allzu viele Jahre bis zur Menopause, daher bedauere ich es ein bisschen, dass ich die genialste Erfindung nach dem Tampon erst so spät ausprobiert habe: ich benutze seit fast drei Jahren eine Menstruationstasse, Menstruationshut oder auf Englisch auch „Menstrual Cup“ genannt und bin absolut begeistert. Ein Menstrual Cup ist eine Art „Gefäß“ aus Silikon oder anderem Material, welches während der Periode in die Scheide eingeführt wird und das Menstruationsblut sammelt. Wer wissen möchte, wie so ein Ding aussieht, befrage bitte Google. Angeblich wurde der Menstrual Cup schon vor dem Tampon erfunden, aber gewisse Wirtschaftsunternehmen, die Monatshygieneartikel vertreiben, haben für ihre Produkte scheinbar besser Werbung gemacht. Ich habe meinen Cup in Italien in einem Bio-Kosmetikladen für ca. 20 Euro gekauft. Hier hatte ich zum ersten Mal so ein Ding in der Hand und beschloss es einfach auszuprobieren. Wie gesagt, seither habe ich nichts anderes mehr benutzt und habe auch schon viele Freundinnen dazu „bekehrt“. Mittlerweile gibt es online verschiedene Modelle zu kaufen und sogar der dm-Markt führt jetzt ein Produkt im Sortiment. Ein Hersteller spendet für jeden verkauften Cup einen ebensolchen nach Afrika (der Cup kann theoretisch glaube ich ein Leben lang halten, in vielen Entwicklungsländern sind Tampons und Binden schlichtweg zu teuer, wobei wir schon bei einem der vielen Vorteile wären: die monatlichen Kosten für das Gedöns entfallen, man kauft das Ding einmal und das war’s).

Es braucht ein wenig Übung, um den Cup richtig einzusetzen und wieder zu entfernen, bei Tampons ist das jedoch nicht anders. Ich war zunächst überrascht, wie groß und auch hart der Cup ist, es gab zwei Größen, eine für Frauen, die (noch) kein Kind vaginal geboren haben und eine andere Größe für Frauen, deren Geburtskanal zu diesem Zwecke schon im Einsatz war. Man drückt den Cup zusammen und führt ihn in die Scheide ein, wo er sich dann auffaltet und idealerweise ringsum an der Scheidenwand andockt. Es ist ein bisschen anders als bei einem Tampon, der üblicherweise mit nur einem Finger eingeführt wird und es empfiehlt sich ein wenig mehr in die Hocke zu gehen oder zumindest ein Bein anzuwinkeln und abzustützen. Man entfernt den Cup, indem man ihn leicht zusammendrückt (ich mache das meistens mit Daumen und Mittelfinger im Sitzen auf der Toilette oder wenn ich es vor dem Duschen vergessen habe, auch mal in der Hocke unter der Dusche). Das Blut kippe ich direkt ins Klo und dann muss der Cup mit Wasser ausgespült werden, ich mache das mit heißem Wasser und meist mit Duschgel, manchmal auch nur mit Wasser. Da die Oberfläche glatt ist, spült sich das Blut schnell und gründlich runter. Ich finde das nicht ekliger, als einen benutzten Tampon einzuwickeln und wegzuwerfen, im Gegenteil. Nach Ende der Periode koche ich den Cup aus, meine Frauenärztin meinte aber, das sei nicht nötig, da die Scheide ja auch nicht steril ist, gründlich auswaschen reicht. Ich koche das Ding trotzdem aus, sicher ist sicher.

Weitere Vorteile (abgesehen von den Kosten, die jetzt bei mir kein ausschlaggebender Grund waren):

  • Auch wenn es zunächst eklig klingen mag, der Menstrual Cup ist angeblich hygienischer als Tampons. Die Watte bei Tampons ist ein Bakterienherd, nicht umsonst muss man den Tampon regelmäßig wechseln und in den Beipackzetteln wird vor Toxischem Schocksyndrom gewarnt.
  • Man muss nicht ständig daran denken, Tampons mitzunehmen und/oder neue nachzukaufen.
  • Der Cup hat keinen Faden, auf den man draufpinkeln kann aus Versehen, obwohl es noch nicht Zeit zum Wechseln ist. Man hat also beim Toilettengang „freie Bahn“. Auch das finde ich hygienischer.
  • Der Cup trocknet die Scheide nicht aus. Das fand ich persönlich gegen Ende der Periode immer sehr unangenehm bei häufigem Wechseln des Tampons.
  • Man muss nicht so häufig wechseln. Der Cup kann sehr viel Blut auffangen, daher ist ein Wechseln nicht oft nötig. Ich setze den Cup morgens zu Hause ein und entleere ihn erst abends wenn ich wieder zu Hause bin und er war noch nie mehr als halb voll. Ich hatte ihn auch schon mal 24h im Einsatz, weil ich es vergessen habe, das war aber gegen Ende der Periode. Da das häufige Wechseln entfällt, eignet sich der Cup gut für Sportarten wie Tauchen, Surfen, Wandern etc. wo man den ganzen Tag in der Natur ist und oft keine Toilette in der Nähe ist oder an Strandtagen, wo man öfters rein ins Wasser und wieder raus geht.
  • Man produziert keinen Müll, was neben umwelttechnischen Gründen auch sehr praktisch ist, da man kein Entsorgungsproblem hat, wenn gerade kein Mülleimer/kein Hygienebeutel/kein Klopapier zum Einwickeln parat stehen.

Nachteile fallen mir nicht viele ein. Das Einsetzen ist ein bisschen Übungssache, der Cup muss wie Tampons auch tief genug sitzen, sonst drückt er. Das Entleeren ist natürlich blöd, wenn man unterwegs ist, aber wie gesagt, in drei Jahren musste ich das bisher unterwegs nie machen, insofern war das kein Thema bei mir. Für diejenigen, die das unterwegs doch machen müssen, weil sie eine sehr sehr starke Blutung haben und kein Klo mit Waschbecken drin zu finden ist, habe ich als Tipp gelesen, eine kleine Flasche mit Wasser mit ins Klo reinzunehmen und den Cup über der Toilette auszuspülen.

Ich fühle mich viel befreiter seitdem ich den Cup benutze. Nicht, dass ich je wegen meiner Periode auf etwas verzichtet hätte, aber Tampons fand ich deutlich nerviger als den Cup. Gerne beantworte ich Fragen, falls es welche gibt.

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